Wanderer der ewigen Dünen - Dark Sun 4E-Kampagne

Die Verneinung allen Lebens...

Gedankenverloren schritt Atikes durch die Gärten des Goldenen Palasts. Nichts an diesem Tag war ungewöhnlich. Die verdammte Sonne hing wie eine runde Pfütze aus Blut am Himmel, so wie sie es schon seit Jahrhunderten getan hatte. Oder Jahrtausenden. Vielleicht auch schon seit Anbeginn der Zeit. Der Himmel hatte heute einen feinen Grünton angenommen, wie immer, wenn der Mond Ral in voller Gestalt am kommenden Nachthimmel zu sehen sein würde.
Atikes ließ seine rechte Handfläche über das fleischige, grüne Blatt einer hüfthohen Pflanze gleiten. Sie trug violette, verschwenderisch üppige Blüten, in denen gelb der Nektar strahlte. Er vermeinte spüren zu können, wie das Leben darin pulsiert. Kalak legte viel Wert darauf, dass die Pflanzen in den Gärten stets in voller Pracht standen. Wasser musste beschafft werden und gierig soffen die Bäumen, Sträucher und Blumen das Leben aus der von der Feuchtigkeit glitzernden Erde.

Welch Hohn, dachte Atikes mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen. Kalak züchtete sich einen paradiesischen Garten und doch war seine schiere Existenz die Verneinung allen Lebens. Atikes hatte Kalak nicht oft gesehen. Der Hexerkönig zeigte sich nicht häufig. Aber jede Begegnung hatte Atikes darin bestätigt, dass dieses Wesen, diese Kreatur, ganz und gar nicht menschlich sein konnte. Auch nicht elfisch. Nicht einmal von dieser Welt, dachte Atikes. In Kalaks Augen brannte der Hunger nach Macht. Wie eine verzehrende Flamme loderte es in ihm. Jede Gefühlsregung schien dem Hexerkönig fremd zu sein. Kein Mitleid, aber auch kein Zorn. Nur die Gier nach arkaner Macht. Atikes hatten den König ein einziges Mal dabei beobachtet, wie er Magie anwandte. Atikes hatten bereits vielen Magiern beim Zaubern zugesehen. Auch seine eigene Magie als Templer war arkaner Natur, das wusste er. Doch das, was Kalak tat, war etwas völlig anderes. Schänder entziehen der Natur und den lebenden Kreaturen um sie herum Lebenskraft. Kalak hingegen schändet nicht, er verwüstet. Kalaks Magie verwüstet nicht nur die Lebenskraft um ihn herum, er erschüttert auch die Seelen. Atikes hatte es selbst gespürt. Eine Welle der Hoffnungslosigkeit, der Leere, des Nichts.

Atikes fröstelte. Er trat aus dem Schatten der Dattelpalme heraus, in dem er gestanden hatte. Das Licht der roten Sonne wärmte seine Haut und das erste Mal fühlte es sich für einen Augenblick an wie eine schützende Umarmung. Sein Blick fiel auf das Ziggurat. Es glitzerte vielfarbig im Sonnenlicht. Ein Mahnmal für Kalaks Fremdartigkeit. Alles am Ziggurat verachtete die Natürlichkeit der Dinge. Bald würde sich der wahre Zweck des Ziggurats enthüllen. Bald würde die Welt erfahren, auf was Kalak all die Jahre hingearbeitet hatte. Atikes war sicher, dass Tyr danach nicht mehr dieselbe sein wird. Nichts wird mehr so sein, wie es war. Sein Leben wird nicht mehr sein, wie es war. Atikes fror nun auch im gleißenden Licht der Sonne. Und Angst begann, sich in seine Seele zu fressen…

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Citan

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