Wanderer der ewigen Dünen - Dark Sun 4E-Kampagne

Ein Hoffnungsschimmer

Atikes rannte. Die Straßen von Tyr waren wie leergefegt. „Wo waren die verdammten Wachen?“ Atikes Gedanken rasten. Er fühlte seinen Herzschlag bis zur Kehle pochen. Seine Verfolger waren aus dem Nichts aufgetaucht. Er hatte die letzten Stunden in der Wüstenrose verbracht – ein paar wenige Stunden der Zerstreuung nach einem Tag der Schufterei in der Arena. Alles musste vorbereitet werden. Bald war es soweit und Kalak machte noch immer ein großes Geheimnis daraus, was am Tag der Freiheit geschehen wird. Atikes hatte gehofft, einer der Templer des Inneren Zirkels würde sich verplappern, doch Kalak schien von fast schon paranoider Sorge geplagt, dass etwas von seinem Plan nach Außen dringen könnte. Angeblich war nur Hochtempler Tithian in alles eingeweiht.

Atikes bog um eine Ecke in eine schmale Gasse, schnaubend und noch immer am ganzen Leib zitternd. Er hielt kurz inne und blickte sich um. Die Gasse stellte eine Querverbindung zwischen der Straße der Weber, aus der er gerade gekommen war und einer unscheinbaren Seitenstraße dar, die auf eine alte Versammlungshalle der Zwerge Tyrs zulief. Wenn er es schaffte, dorthin zu entkommen, würde er seine Verfolger vermutlich abschütteln können. Sein Atem ging pfeifend. Er musste es schaffen. Er rannte.

Die beiden Verfolger waren dem Templer schon auf den Fersen, als er das Bordell verließ. Kein hochrangiger Templer, eher ein einfaches Mitglied der Verwaltung an Kalaks Hof. Dennoch, er könnte etwas wissen. Die bisherigen Informationen über das Bevorstehende waren mehr als dürftig. Ihnen blieb nicht viel Zeit. Reed, Kak’tar und Mika sollten schon längst wieder zurück sein. Auch das sorgte in der Allianz für Unsicherheit. Zudem gerieten die Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern immer wieder ins Stocken. Sie brauchten irgendeinen Ansatzpunkt, eine Schwachstelle. Etwas, um an Kalak heranzukommen. Ein Hoffnungsschimmer.

Als Atikes um die Ecke bog, sah er im Licht der Monde die Ruine der alten Zwergenhalle. Viel war nicht mehr von ihr übrig, das Dach fehlte völlig. Dafür standen noch zahlreiche Mauern, einem Labyrinth aus Sandstein gleich. Hatte er seine Verfolger abgeschüttelt? Er versuchte zu lauschen, doch er hörte einzig seinen keuchenden Atem und das Rauschen des Blutes in seinen Ohren. Die Ruinen waren fast erreicht.
Er hatte es beinahe geschafft, als aus dem Nichts ein Körper vor ihm auftauchte. Die Gestalt, eine Frau, rammte mit voller Wucht in Atikes hinein. Sie prallten zu Boden, überschlugen sich mehrfach. Atikes spürte den festen Griff seiner Verfolgerin. Sie hockte über ihm, presste seinen Kopf fest auf den sandigen Boden. Er begann, eine Anrufung Kalaks in seinem Geist zu formen. Die arkanen Energien flossen in seine rechte Hand. Ein purpurner Strahl schoss aus Atikes Handfläche und traf seine Peinigerin in den Rücken. Mit schmerzverzerrtem Gesicht verließ sie für einen Moment die Kraft und Atikes stieß sie von sich. Er rollte sich auf die Seite, versuchte sich aufzurichten, als er das Rasseln einer Kette hörte.
Er schrie laut auf, als sich etwas wie eine Schlinge um seine Beine wand und ihn mit schmerzhafter Wucht zurückzog. Sein Gesicht prallte hart auf den Boden, er schmeckte Blut. Sie war wieder da. Die schattenhafte Frauengestalt drehte ihm die Hände auf den Rücken und fesselte ihn. Erneut begann Atikes eine Anrufung zu wirken. Sein Körper sollte in beißendes, purpurnes Feuer gehüllt werden, doch noch bevor ihm Kalak seine Gunst verlieh, traf ihn der Tritt der anderen Person hart in die Seite. Atikes prustete und rang nach Luft. Es war aus.

Kemi und Shiral blickten in das schmerzverzerrte Gesicht des Templers. Die braunen Augen huschten nervös hin und her, Blut lief ihm aus dem rechten Mundwinkel. Er zitterte und hatte jeden Widerstand aufgegeben. Man konnte förmlich in seinen Blicken lesen. Die Angst, was nun geschehen würde wurde übertroffen von der Panik davor, was sein Herr und Meister mit ihm anstellen würde, falls er lebend entkommen sollte.

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Citan

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